PJ MEDEA 2005
Performance-Theater mit Andrea Kurmann










Blauer Saal, altes Löwenbräu-Areal Zürich, Heutungen
Das im Medea-Mythos seit Euripides bis hin zu Heiner Müller wiederkehrende ‘Zerstückungsmotiv’ ist Angelpunkt der künstlerischen Umsetzung von “PJ – Medea”. Die ‘Zerstückungsmotive’ weisen aber auch auf alte rituelle Handlungen vor Euripides zurück. Sie klingen im Text von Heiner Müller Ende des 20. Jahrhunderts wie ein mythischer Nachhall. “PJ – Medea” will einen poetischen Weitblick hinter Euripides zu werfen, um andere Aspekte von Medea als Heilerin bzw. Verjüngerin mit zu integrieren und im besten Falle Medea ein ästhetisches Gleichgewicht zurückzugeben, eine Art Rückführung und Aktualiserung gleichermassen.
Die künstlerische Umsetzung strebt ein konsequentes Aufbrechen der Sprachlandschaft “Medeamaterial” von Heiner Müllers an mit der in der Folge beschriebenen Rauminstallation. Die Rauminstallation besteht aus vier fahrbaren Wagen, ehemaligen Säuglingsbettchen. Den Wagen räumlich zugeordnet ist eine Projektionswand, die den Ausblick in die vor-griechischen Schichten des Medea-Mythos öffnet, eine immerwährende Möglichkeit in andere Schichten dahinter und darunter zu schauen.
Gleichzeitig sieht man in der Videoprojektion in einer zweiten Bildschicht eine Ringfahrt in der Berliner U- und S-Bahn, was wiederum eine Verbindung zum Textfragment von Heiner Müller herstellt. Zur Entstehung des Textes schreibt Heiner Müller: “Meine erste Berlin-Erfahrung war die S-Bahn, besonders die Ringstrecke, auf der man immer den gleichen Kreis durch Berlin und um Berlin herumfahren konnte.” Die Schicht der Textentstehung dringt so aus dem Unterschwelligen hervor. Diese Bildschicht wird in einer nächsten wieder aufgebrochen, der Mythos und dessen Symbole mit neuen Bildern verändert.
Die Rauminstallation mit Wagen und Projektionswand wird mit den Performerinnen als Schnittstelle flexibel. Sie weisen die Installation ein und an. Sie nehmen sie auseinander, verändern sie. Sie sind mit ihr konfrontiert, in und von ihr gefangen, gefordert und beschreiben damit Formationen und Deformationen des Mythos, des Körpers, nicht zuletzt der Frau, die sie wieder zusammensetzen. Anders. Neu.

Fotos: Teresa Salerno